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An heiliger Stätte - Römische Kulte und Heiligtümer an der Saar.

Ausstellung. Museum für Vor- und Frühgeschichte.

Die Ausstellung der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, die seit Mai 2006 im Museum für Vor- und Frühgeschichte gezeigt wird, entstand in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Institut der Universität des Saarlandes (Dr. Anja Klöckner und Prof. Dr. Carola Reinsberg).
In der Ausstellung wird die Mikroregion "Saarland" unter dem Aspekt der religiösen Landschaft vorgestellt: Zahlreiche unpublizierte Denkmäler und Grabungsergebnisse erlauben hierzu neue Einblicke. Gleichzeitig wird über lokalhistorische Gesichtspunkte hinaus exemplarisch in die Religion der römischen Nordwest-Provinzen eingeführt.

Ausschnitte aus der Rede von Prof. Dr. Carola Reinsberg bei der Eröffnung der Ausstellung.

"Beim Teutates", dieses Stoßgebet versteht heute jedes Kind. Ebenso wie es die gallischen Gottheiten Teutates, Taranis, Epona und Esus kennt. Nie waren diese Namen weiter verbreitet als heute, wo sie durch die bekannten französischen Comics über Asterix und Obelix um die Welt gehen. Ein Gesicht haben die Götter dort allerdings nie. Und dies ist kein Zufall. Offensichtlich verehrte man sie in anikonischer Form. Erst mit der fortschreitenden Romanisiering Galliens erhielten sie eine Gestalt. Damit sind wir mitten im Thema der hiesigen Ausstellung. Im Mittelpunkt steht das komplexe Phänomen "Religion". Ein Phänomen, zu dem die Region eine vielfältige Überlieferung bietet, Tempel- und Kultanlagen, Götterbilder und Kultmale, Weihegaben und Opfergerät. Als Zeugen der römisch kaiserzeitlichen Vergangenheit hier vor Ort geben sie Einblicke in das religiöse Leben im römisch besetzten Ausland Gallien. Fragen von Übernahme od er Ablehnung, von Eigenständigkeit oder Annäherung, Genuinität und Assimmilation drängen sich auf. Die Thematik korrespondiert aktuellen Diskursen, die sich an der Differenz von Religionszugehörigkeit und -ausübung entzünden. Die römische und keltische Religion sind allerdings polytheistische Systeme und insofern per se weniger konträr zueinander, da nicht auf Ausschließlichkeit angelegt wie der Monotheismus des Christentums, des Judentums und des Islam. Ob sich der Blick auf die Lösungen der Antike auch unter diesem Aspekt trotzdem lohnt, mögen sie selbst entscheiden.
Das Saarland gehörte vor Caesars Eroberung zum eigentlichen Gallien, der Gallia comata, dem langhaarigen, d.h. unzivilisierten wilden Gallien. Nach dem Gallischen Krieg 58-51 v. Chr. und der Einrichtung von drei römischen Provinzen das heutige Saarland gehörte nun zur Provinz Gallia Belgica entwickelte sich hier ein gelungenes Modell von politischer Eingliederung und kultureller Integration. Der Prozess der Romanisierung erfolgte allmählich und führte erst im 2. und 3. Jh. nach Chr. in der Saarregion, dem Gebiet zwischen den Mediomatrikern rund um Metz und den Treverern um Trier, zu einer Blüte, wie sie in den erhaltenen Denkmälern fassbar ist.
Das Eindringen römischer Göttervorstellungen und Kultpraxis war von Anfang an Bestandteil des Romanisierungsprozesses. Denn das Verhältnis der Römer zu ihren Göttern war gerade im Alltagsleben fest verankert. ... So viel wir über die römische Religion wissen, so dürftig sind unsere Kenntnisse über die einheimischen Göttervorstellungen und Kulte, die die Römer in Gallien antrafen. Da die keltischen Stammesgesellschaften kein Schrifttum hatten, sind wir auf die Berichte der römischen Autoren angewiesen allen voran die Caesars. Und auf die archäologischen Zeugen, die, wie Sie in der Ausstellung sehen werden, sehr beredt sein können. Die wohl weitgehend anikonischen (gestalt- und gesichtslosen) keltischen Gottheiten gingen in die Gestalten der importierten römischen Götterbilder ein. Dabei verwundert es nicht, dass Merkur, der Gott des Handels und der Reise, und Mars, der Kriegsgott, eine prominente Rolle spielten. Ist doch die hie sige Region nicht durch städtische Zentren geprägt, sondern durch das Straßennetz zwischen Straßburg, Metz, Trier und Mainz mit einzelnen Gehöften, ländlichen Heiligtümern und kleinen Vici an Straßenknotenpunkten. Auch Jupiter findet sich nicht selten, der höchste römische Staatsgott, in dem die imperiale Macht Rom und des Kaisers präsent waren. Die schöne Bronze aus Fraulautern, die die Galions- und Titelfigur der Ausstellung bildet, zeigt ihn in der üblichen Darstellungsweise. Gleichzeitig erscheint jener Reichsgott in der Gallia Belgica aber auch in einem ganz ungewöhnlichen Habitus. Auf der Spitze der hier verbreiteten Jupiter/Gigantensäulen sieht man ihn hoch zu Ross einen Giganten niederreiten. In einzelnen Fällen führt er das Rad bei sich, das sich vielleicht auf den jupiterähnlichen gallischen Taranis bezieht. Diese synkretistische Bildschöpfung ist ein Musterbeispiel für die Verbindung von gallisch er und römischer Göttervorstellung.
Schließlich dürfen nicht die weiblichen Gottheiten vergessen werden, wie Rosmertha, die zusammen mit Merkur verehrt wird, und vor allem Sirona. Sie spielt in dem hier präsentierten Quellheiligtum von Ihn eine zentrale Rolle. Die Quelle, die hervorgehobene Bedeutung des Wassers und die Weihgeschenke zeigen dort einen Heilkult angesiedelt. Im Kultbild wird die Heilkraft der Göttin durch die bekannte Schlange des Äskulap und der Hygieia veranschaulicht...

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